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Infektionsausbruch in der JVA Werl

Die Pandemie, deren Gefahren sich so unspektakul√§r ‚Äěanschleichen‚Äú und die mitunter doch eine lebensbedrohende Krankheit ausl√∂st, ebbt gerade etwas ab. Da ist es sehr bedauerlich, dass sich eben in diesem Moment ein Infektionsausbruch in der JVA Werl ereignet. Zwischenzeitlich sind f√ľnfzehn positive Tests von Inhaftierten best√§tigt. Von den Kolleginnen und Kollegen weist eine einen positiven Test auf.

Damit ist in Werl eine Situation eingetreten, vor der der BSBD NRW bereits seit Monaten warnt. F√ľr die Werler Vollzugseinrichtung ist das eine √ľberaus risikobehaftete Situation, weil in der Enge eines Gef√§ngnisses Hygiene- und Abstandsregeln nur schwer einzuhalten sind.

In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt des Kreises Soest werden in diesen Tagen rund 1.400 Tests in der Werler Einrichtung durchgef√ľhrt. Die Tests werden in Kooperation von Anstalts√§rztin und √∂rtlichen Hilfsorganisationen vorgenommen. Wenige Tage sp√§ter wird mit ersten Ergebnissen der vorgenommenen Abstriche gerechnet. Die Abstriche werden den Inhaftierten in ihren Haftr√§umen abgenommen, w√§hrend die Kolleginnen und Kollegen im Besuchsbereich getestet werden.

Allein diese Aktion sollte allen Verantwortlichen vor Augen f√ľhren, was f√ľr ein logistischer Aufwand betrieben werden muss, wenn eine Infektion eine Zwangsgemeinschaft betrifft, wie wir sie in Vollzugseinrichtungen regelm√§√üig antreffen. Die Testergebnisse werden erweisen, ob und wie viele Kolleginnen und Kollegen sich in h√§usliche Quarant√§ne begeben und wie viele Gefangene innerhalb der Einrichtung r√§umlich isoliert werden m√ľssen.

Landesjustizvollzugsdirektion ermittelt

Zwischenzeitlich ist die Landesjustizvollzugsdirektion des Ministeriums der Justiz damit befasst, den Infektionsursprung zu ermitteln. Zwischenzeitlich ist festgestellt worden, dass ein Gefangener, der f√ľr wenige Tage in der JVA M√ľnster untergebracht war, nach seiner R√ľckkehr positiv getestet wurde. Ob er der Verursacher des Infektionsausbruchs ist, steht allerdings noch nicht fest, zumal in der JVA M√ľnster zu diesem Zeitpunkt keine Infektion bekannt war und damit unklar ist, wo in der JVA M√ľnster sich der Werler Gefangene infiziert haben k√∂nnte. Es besteht auch die M√∂glichkeit, dass die Corona-Infektion durch den Werler Inhaftierten in die JVA M√ľnster eingeschleppt worden ist, weil dort zwischenzeitlich ebenfalls Coroinaf√§lle nachgewiesen worden sind.

Bez√ľglich der Ursachenerforschung befinden sich die Beh√∂rden noch ganz am Anfang der Ermittlungen. Sie bewegen sich mutma√ülich noch im Stadium der Spekulation, da ein belastbarer wissenschaftlicher Nachweis der Herkunft der Infektionen bislang noch nicht m√∂glich war. Weil man folglich nicht wei√ü, wo die Infektionen ihren Ursprung haben, werden auch die notwendigen Pr√§ventionsma√ünahmen erheblich erschwert, weil sie regelm√§√üig den gesamten Bereich der Werler Vollzugseinrichtung einbeziehen m√ľssen, um die erforderliche Wirkswamkeit zu entfalten.

Infektionsausbruch in der JVA Werl lässt Inzidenz des Kreises Soest steigen

Der Werler Infektionsausbruch hat allerdings noch eine weitere Komponente, die weit √ľber den Vollzug hinausreicht. Der Kreis Soest ist nicht sehr bev√∂lkerungsreich und deshalb reichen die Infektionen in der Vollzugseinrichtung aus, um den Inzidenzwert f√ľr den Kreis deutlich ansteigen zu lassen. Die Verantwortlichen bef√ľrchten folglich, dass Grenzwerte √ľberschritten werden und bereits eingeleitete Lockerungen des Shutdowns zur√ľckgenommen werden m√ľssen.

Tr√§te dieser Fall ein, w√ľrde das Ansehen des Vollzuges und das Vertrauen der Bev√∂lkerung in die sachgerechte Krisenbew√§ltigung durch die zust√§ndigen Beh√∂rden und Organisationen nachhaltig Schaden nehmen. Schlie√ülich ist es naheliegend, dass sich eine Vollzugseinrichtung sehr schnell zu einem Infektionshotspot entwickeln kann, wenn das Virus, wie in dem aktuellen Fall, einen Weg hinter die Mauern eines Gefangnisses gefunden hat. Von einem Krisenmanagement darf erwartet werden, dass naheliegende Risiken bewertet und Ma√ünahmen ergriffen werden, solche Risiken nicht Realit√§t werden zu lassen.

Infektionen k√∂nnen zu Personalproblemen f√ľhren

Dieser ohnehin spektakul√§re Corona-Ausbruch kann die JVA Werl noch vor ein erhebliches Personalproblem stellen. Erweisen sich viele Abstriche als positiv und m√ľssen etliche Kolleginnen und Kollegen in Quarant√§ne, dann w√§re ein personeller Engpass unausweichlich. Die Verantwortlichen sind gut beraten, sich auf eine solche Lage fr√ľhzeitig einzustellen und vorzubereiten.

Zahlreiche positive Befunde w√ľrden die bereits vorhandene Personalknappheit verst√§rken. Die JVA Werl w√§re vermutlich auf Unterst√ľtzung angewiesen. An den zunehmenden Infektionen in den nordrhein-westf√§lischen Vollzugseinrichtungen ist exemplarisch ablesbar, wie knapp die Personalausstattung des Vollzuges tats√§chlich ist. Zwar hat es in den zur√ľckliegenden Jahren Personalzuw√§chse gegeben, doch von einer ausk√∂mmlichen Ausstattung ist der Vollzug noch weit entfernt. Dies wird immer wieder deutlich, wenn au√üerordentliche Ereignisse diesen Mangel aufdecken.

BSBD NRW fordert Immunisierung des gesamten Vollzuges

BSBD-Chef Ulrich Biermann hat bereits sehr fr√ľhzeitig darauf aufmerksam gemacht, besonderes Augenmerk auf die Pr√§ventionsma√ünahmen zu legen. Dies ist deshalb so wichtig, weil wir k√ľnftig vermehrt von Mutanten des SARS-CoV-2-Virus bedroht werden. Nachdem das Problem der Immunisierung der Kolleginnen und Kollegen durch Ma√ünahmen vor Ort weitgehend abgearbeitet ist, m√ľssen jetzt noch die Inhaftierten geimpft werden.

Der Werler Fall zeigt einmal mehr, dass Infektionsausbr√ľche in mehreren Einrichtungen den Vollzug als Gesamtsystem schnell an seine Leistungsgrenze bringen w√ľrde. In Werl sind Transporte von Gefangenen ausgesetzt worden. W√ľrde dies in vielen Einrichtungen notwendig werden, st√ľnde das System Vollzug vor dem Kollaps. Ulrich Biermann hat die Administration zwischenzeitlich aufgefordert, die bislang zu beobachtende Halbherzigkeit der ergriffenen Ma√ünahmen aufzugeben und alles daran zu setzen, damit der gesamte Vollzug jetzt zeitnah immunisiert wird. Nur so k√∂nnten negative Auswirkungen auch auf die Bev√∂lkerung am Sitz von Gef√§ngnissen verhindert werden. ‚ÄěNiemanden ist gedient, wenn sich Gef√§ngnisse zu Infektionshotspots entwickeln, die der Vollzug allein nicht beherrschen kann‚Äú, brachte Ulrich Biermann die Erwartung der Betroffenen auf den Punkt.

Friedhelm Sanker

Symbolfoto: Marek Brandt/stock.adobe.com